Bochum und Witten erkunden tiefes geothermisches Potenzial für nachhaltige Wärmeversorgung
Matteo BöhmBochum und Witten erkunden tiefes geothermisches Potenzial für nachhaltige Wärmeversorgung
Ein neues Forschungsprojekt erkundet das tiefe geothermische Potenzial unter Bochum und Witten. Die Initiative mit dem Namen VESTA CONTRAST wird einen fünf Kilometer langen Abschnitt des Untergrunds bis in 2.000 Meter Tiefe kartieren. Gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), zielt das Projekt darauf ab, unterirdische Reservoire für nachhaltige Wärmeversorgungslösungen zu erschließen.
Geothermie spielt bereits heute eine Rolle bei der Beheizung deutscher Haushalte, vor allem durch oberflächennahen Systeme, die die nahen Erdschichten nutzen. Diese kommen häufig in Einfamilienhäusern sowohl zur Wärmegewinnung als auch zur Speicherung zum Einsatz. Um jedoch ganze Städte und Industrien auf nachhaltige Wärme umzustellen, müssen tiefere geologische Strukturen untersucht werden.
Im Rahmen des VESTA CONTRAST-Projekts liegt der Fokus auf Sandsteinschichten aus dem Karbon, die vor etwa 300 Millionen Jahren entstanden sind. Mithilfe geophysikalischer Methoden werden die Forscherinnen und Forscher die Untergrundverhältnisse im Süden Bochums analysieren. Ziel ist es, thermische Reservoire zu lokalisieren, die sich für eine großflächige Wärmeversorgung nutzen lassen.
Tiefe Geothermie hat sich in Städten wie München und Paris bereits seit Jahrzehnten bewährt, wo sie zuverlässig Wärme liefert. Expertinnen und Experten schätzen, dass drei Viertel der bestehenden Gebäude in Deutschland auf diese Weise beheizt werden könnten. Zudem ließe sich ein Viertel der kommunalen Wärmenetze und des industriellen Wärmebedarfs durch tiefe Geothermie decken.
Besonders vielversprechend ist das Untergrundpotenzial im Ruhrgebiet, wo die Temperaturen pro 100 Meter Tiefe um etwa 3 °C steigen. Dieser natürliche Temperaturgradient macht die Region zu einem idealen Kandidaten für die geothermische Erschließung. Die Erkenntnisse des Projekts könnten den Weg für eine praktische Umsetzung in der Region ebnen.
Das VESTA CONTRAST-Projekt erhält vom BMWK eine Förderung in Höhe von rund 330.000 Euro. Die Ergebnisse werden ein klareres Bild der geologischen Voraussetzungen für tiefe Geothermie liefern. Bei Erfolg könnte die Forschung dazu beitragen, eine nachhaltige Wärmequelle für Städte in der gesamten Region zu erschließen.






