Böhmermanns TV-Angriff auf Clownswelt schießt nach hinten los – und macht den Kanal berühmt
Sebastian KönigBöhmermanns TV-Angriff auf Clownswelt schießt nach hinten los – und macht den Kanal berühmt
Eine umstrittene TV-Sendung von Jan Böhmermann ist nach hinten losgegangen: Statt den rechtsextremen YouTuber bloßzustellen, hat sie dessen Reichweite massiv gesteigert. Die Folge des ZDF Magazin Royale aus dem frühen Jahr 2024 richtete sich gegen den Kanal Clownswelt – der seitdem einen enormen Zuwachs an Abonnenten und Aufrufen verzeichnet. Kritiker werfen dem Format vor, genau die Inhalte verstärkt zu haben, die es eigentlich anprangern wollte.
Vor der Ausstrahlung zählte Clownswelt rund 220.000 Abonnenten. Bis zum 13. Mai 2025 war diese Zahl auf über 384.000 gestiegen – ein Reichweitenzuwachs von 300 Prozent. Die monatlichen Aufrufe stiegen von zehntausenden auf Millionen, ein Wachstum, das selbst andere rechtspopulistische Akteure wie Reichelt oder Junkernheimer bei Weitem übertrifft. Experten führen diesen Anstieg auf den Streisand-Effekt zurück: Der Versuch, Informationen zu unterdrücken, sorgt am Ende für noch mehr Aufmerksamkeit.
Die gemeinsam mit dem Zeit-Online-Journalisten Christian Fuchs durchgeführte Recherche löste sofortige Gegenreaktionen aus. Der Medienanwalt Christian Solmecke warf dem Duo vor, durch die Veröffentlichung persönlicher Daten des YouTubers gegen § 126a des Strafgesetzbuchs verstoßen zu haben. Fuchs verteidigte die Arbeit und betonte, dass nur ein Prozent der gesammelten Informationen veröffentlicht worden seien und der Datenschutz gewahrt blieb. Dennoch forderten Nutzer in sozialen Medien als Vergeltung die Veröffentlichung der Privatadressen von Böhmermann und Fuchs.
Auch die öffentlich-rechtlichen Sender gerieten in die Kritik. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) bemängelte, die Sendung habe es versäumt, die Inhalte von Clownswelt systematisch auf extremistische Tendenzen zu überprüfen. Derweil profitiert der Betreiber des Kanals weiterhin von Werbeeinnahmen – die durch die gestiegene Reichweite vermutlich noch zunehmen.
Die von Böhmermann und Fuchs angewandten Methoden erinnern an die Vorgehensweise linker antifaschistischer Gruppen, die seit Langem rechtsextreme Akteure recherchieren und enttarnen. Doch in diesem Fall scheint der Ansatz die Position des Zielobjekts gestärkt statt geschwächt zu haben.
Die Folgen der ZDF-Magazin-Royale-Sendung werfen nun die Frage auf, welche Rolle öffentlich-rechtliche Medien in der politischen Debatte spielen sollten. Statt die Einflussmöglichkeiten des Kanals einzudämmen, hat die Berichterstattung Clownswelt ein weit größeres Publikum und höhere Einnahmen beschert. Die Diskussion dreht sich nun darum, ob solche Investigationen riskieren, genau jenen Extremismus zu verstärken, den sie eigentlich bekämpfen wollen.






