Europas Industrie warnt vor Wettbewerbsverlust durch steigende CO₂-Kosten
Sebastian KönigEuropas Industrie warnt vor Wettbewerbsverlust durch steigende CO₂-Kosten
Mehr als drei Dutzend große europäische Industrieunternehmen haben in einem Brief an die EU-Spitze dringendes Handeln im Rahmen des Emissionshandels gefordert. Zu den Unterzeichnern gehören Konzerne wie ArcelorMittal, BP und BASF, die warnen, dass steigende CO₂-Kosten die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie gefährden. Sie kritisieren, dass das aktuelle System globale Realitäten und unzureichende Infrastruktur für die grüne Transformation nicht ausreichend berücksichtige.
Nach den EU-Vorgaben müssen Industrieanlagen Verschmutzungsrechte erwerben, um Treibhausgase ausstoßen zu dürfen. Zwar wurden früher teilweise kostenlose Zertifikate vergeben, doch das Klimapaket „Fit für 55“ hat diese Zuweisungen weitgehend abgeschafft. Ziel der Reform ist es, die Erderwärmung auf knapp über zwei Grad Celsius zu begrenzen.
Da die kostenlosen Zuteilungen entfallen, steigen die Kosten für Unternehmen, wenn sie ihre Emissionen langsamer reduzieren als die verfügbaren Zertifikate schrumpfen. Um Wettbewerbsnachteile auszugleichen, führte die EU den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) ein – eine Abgabe auf kohlenstoffintensive Importe. Ausnahmen gelten für Länder mit eigenem Emissionshandelssystem.
In ihrem Schreiben an Ratspräsident António Costa und den zyprischen Präsidenten Nikos Christodoulides fordern die Unternehmen sofortige Maßnahmen, um den Kostendruck zu stoppen. Ohne bessere Infrastruktur für Strom, Wasserstoff sowie CO₂-Transport und -Speicherung sei die industrielle Transformation zum Scheitern verurteilt, warnen sie. Die Einnahmen aus dem Emissionshandel fließen größtenteils in Klimaschutzprojekte, etwa den Ausbau von Wasserstoffnetzen für die Industrie.
Die Firmen argumentieren, Europa handle mit den rasant steigenden CO₂-Kosten für seine Industrien allein. Das aktuelle System spiegle die globalen Rahmenbedingungen nicht mehr wider. Der Appell unterstreicht die Sorge vor einem industriellen Niedergang, sollte die Infrastruktur nicht verbessert und die Kostenverteilung nicht fairer gestaltet werden.






