16 March 2026, 12:09

Kunstakademie Düsseldorf: Streit um Meinungsfreiheit spaltet die Kulturwelt

Eine Wand mit gro├čen, schwarzen Graffiti, die "Freiheit und Demokratie" lesen, in einem Raum mit einem Gel├Ąnder unten und einem Fenster im Hintergrund.

Offener Brief warnt vor politischem Druck auf Universit├Ąten - Kunstakademie Düsseldorf: Streit um Meinungsfreiheit spaltet die Kulturwelt

Ein Streit an der Düsseldorfer Kunstakademie hat bundesweit Aufmerksamkeit erregt, nachdem über 1.100 Künstler:innen und Wissenschaftler:innen einen offenen Brief unterzeichneten, der die akademische Freiheit verteidigt. Der Konflikt begann mit einer Einladung an die palästinensische Künstlerin Basma al-Sharif, deren Veranstaltung später aufgrund von Drohungen eingeschränkt wurde – obwohl eine rechtliche Prüfung bestätigte, dass ihre Äußerungen durch die Meinungsfreiheit gedeckt sind.

Ausgelöst wurde die Kontroverse im Januar 2026, als al-Sharif an die Kunstakademie Düsseldorf eingeladen wurde, um dort zu sprechen. Vorwürfe des Antisemitismus, gestützt auf frühere Social-Media-Beiträge der Künstlerin, führten zu Forderungen nach Absage der Veranstaltung. Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) unterstützte eine Petition, die den Rücktritt der Rektorin Donatella Fioretti forderte, und erhöhte so den politischen Druck.

Nach einer juristischen Bewertung wurden al-Sharifs Äußerungen als nicht strafbar und von der Meinungsfreiheit gedeckt eingestuft. Dennoch fand die Veranstaltung nur im internen Rahmen statt – aus Sicherheitsbedenken. Der offene Brief, unterzeichnet von Persönlichkeiten wie dem Fotografen Wolfgang Tillmans und den Philosophinnen Susan Neiman und Nancy Fraser, kritisierte die politische Einmischung und warnte vor einem gefährlichen Präzedenzfall.

Die Unterzeichnenden verurteilten zudem die Verwendung des Begriffs "Deckmantel" – ursprünglich von der rechtsextremen AfD geprägt –, mit dem künstlerische und akademische Freiheit diffamiert werde. Sie argumentieren, dass eine solche Rhetorik, die inzwischen von anderen übernommen wurde, verfassungsmäßig geschützte Freiheiten untergräbt. Der Konflikt hat sich weiter zugespitzt: Fioretti soll am Mittwoch vor dem Landtag von Nordrhein-Westfalen aussagen.

Der Brief betont die Solidarität mit Fioretti und thematisiert übergreifende Sorgen über Einschüchterungsversuche, die die Autonomie der Hochschulen bedrohen.

Die Auseinandersetzung rückt die Kunstakademie Düsseldorf in den Mittelpunkt einer bundesweiten Debatte über politischen Einfluss auf Bildung und Kultur. Mit Fiorettis anstehender Anhörung wird der Fall nun von Abgeordneten geprüft, während die Warnungen des offenen Briefs vor einer Gefährdung der akademischen Freiheit weiter im Fokus der Diskussionen stehen.

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