"Ringel, Ringel, Reihe": Warum der Kinderreim nichts mit der Pest zu tun hat
Matteo Böhm"Ringel, Ringel, Reihe": Warum der Kinderreim nichts mit der Pest zu tun hat
„Ringel, Ringel, Reihe“ wird oft mit dem Schwarzen Tod oder der Großen Pest in Verbindung gebracht. Doch Experten betonen, dass es dafür keine belastbaren Belege gibt. Die wahren Ursprünge des Kinderreims sind weit weniger düster, als manche Theorien nahelegen.
Die früheste gedruckte englische Fassung von „Ringel, Ringel, Reihe“ erschien erst 1881 – ein Datum, das eine Verbindung zur Großen Pest von London im 17. Jahrhundert unwahrscheinlich macht. Die Idee, der Reim beziehe sich auf die Pest, tauchte überhaupt erst 1961 auf, mehr als 80 Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung.
Der Volkskundler Stephen Winick vermutet stattdessen, dass es in dem Reim um Freude und Liebe geht. Wahrscheinlich entstand er als Kinderspiel und -gesang im Deutschland des 18. Jahrhunderts. Eine weitere mögliche Herkunft führt ihn auf religiöse Tanzverbote im 19. Jahrhundert zurück, die zu spielerischen Alternativen wie „Play Parties“ führten.
Es gibt zahlreiche Varianten des Reims mit unterschiedlichen Texten, was seine genaue Bedeutung und Herkunft schwer fassbar macht. Trotz populärer Theorien gibt es keinen handfesten Beweis, dass „Ringel, Ringel, Reihe“ etwas mit der Pest zu tun hat. Seine wahren Wurzeln scheinen vielmehr in Kinderspielen oder gesellschaftlichen Bräuchen zu liegen. Der Reim bleibt eine einfache, fröhliche Aktivität – ohne nachweislich dunkle historische Bezüge.






