Simon Enzler nimmt Armee-Reform mit absurder Satire aufs Korn
Der Schweizer Komiker Simon Enzler sorgt mit seiner aktuellen Tour Brenzlig für Schlagzeilen – und löst zugleich mit einer satirischen Abrechnung zur Armee-Reform eine Debatte aus. Mit seinen scharfsinnigen Beobachtungen zu Politik und Gesellschaft steht er einmal mehr im Rampenlicht. Währenddessen treibt das Schweizer Parlament Pläne voran, pensionierte Soldaten wieder in den Militärdienst zu integrieren – ein Vorhaben, das Enzler mit absurden, aber erfinderischen Vorschlägen auf die Schippe nimmt.
Enzler, bekannt für seinen Appenzeller Dialekt und seinen beißenden Humor, gewann 2007 den renommierten Salzburger Stier, einen der bedeutendsten Kleinkunstpreise. Sein elftes Programm, Brenzlig, tourt derzeit durch die Schweiz und verbindet regionalen Witz mit pointierter Kritik an der Schweizer Politik.
Kürzlich nahm der Komiker eine parlamentarische Entscheidung auf die Schippe, die es freiwillig ermöglichen soll, ehemalige Soldaten wieder in den Militärdienst zu integrieren. Statt sich auf die Veteranen zu konzentrieren, schlug Enzler vor, andere Bevölkerungsgruppen umzufunktionieren: Golfer könnten als Scharfschützen dienen, Landfrauen die Feldküchen leiten und Großmütter Tarnkappen stricken. Selbst das Alphorn, das traditionelle Schweizer Instrument, ließe sich seiner Meinung nach als Waffe einsetzen – dank seines ohrenbetäubenden Klangs.
Doch damit nicht genug: Enzler schlug vor, Wanderer könnten feindliche Truppen durch manipulierte Wegweiser in die Irre führen, während Gleitschirmflieger als Kampfdrohnen fungieren könnten. Leidenschaftliche Briefeschreiber und Verschwörungstheoretiker wiederum könnten eine Propagandaabteilung besetzen – also Menschen mit "zu viel Zeit und kurzem Zündel".
Hinter der Satire steckt ein realer Beschluss des Schweizer Parlaments: Beide Kammern der Bundesversammlung haben kürzlich die Regierung beauftragt, ein Konzept für die Wiedereingliederung ehemaliger Soldaten zu erarbeiten. Konkrete Maßnahmen gibt es jedoch noch nicht, und der Militärdienst bleibt im Milizsystem vorerst weiterhin nur für Männer zwischen 18 und 34 Jahren verpflichtend. Bis 2026 sind keine gezielten Reintegrationsprogramme geplant.
Enzlers Tournee zieht weiterhin Publikum in ihren Bann und verbindet Humor mit gesellschaftskritischen Kommentaren. Der parlamentarische Vorschlag hingegen steckt noch in den Kinderschuhen – unmittelbare Änderungen an der Schweizer Armee-Struktur sind nicht in Sicht. Seine Satire deckt dabei die Kluft zwischen politischen Ideen und praktischer Umsetzung auf – und liefert nebenbei ein paar ungewöhnliche Lösungsvorschläge.






