22 April 2026, 04:02

Verbotene Chemikalien in Kosmetik: Warum EU-Regeln versagen und Verbraucher gefährdet sind

Rotes und gelbes Schild mit der Aufschrift "Organisches Peroxid 5.2", das eine gefährliche Substanz anzeigt.

Verbotene Chemikalien in Kosmetik: Warum EU-Regeln versagen und Verbraucher gefährdet sind

Verbotene Kosmetikprodukte werden in Europa weiterhin in großen Einzelhandelsgeschäften und auf Online-Plattformen verkauft. Untersuchungen zeigen, dass Erzeugnisse mit schädlichen Chemikalien – einige davon in Verbindung mit Fruchtbarkeitsstörungen und Krebs gebracht – nach wie vor weit verbreitet sind. Trotz strenger EU-Vorschriften ermöglichen Vollzugslücken, dass diese Waren in Regalen und digitalen Einkaufswagen landen.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Mitte März wurde in einer Tube des Schwarzkopf-Glitzer-Haargels der verbotene Duftstoff Lilial (BMHCA) nachgewiesen, der in Europa bereits seit über vier Jahren nicht mehr erlaubt ist. Die Chemikalie, die den Duft von Maiglöckchen imitiert, steht im Verdacht, Fruchtbarkeitsprobleme zu verursachen. Dennoch taucht sie weiterhin in Produkten bekannter Marken wie Nivea, Schwarzkopf und Schauma auf.

Eine Recherche des Investigativnetzwerks CORRECTIV förderte drei verbotene Artikel zutage, die online erhältlich waren – darunter ein Nivea-Rasierschaum mit BMHCA, der über Amazon erworben wurde. Das Problem beschränkt sich nicht auf Einzelfälle: Allein im vergangenen Jahr durchsuchte die Europäische Kommission über 1,6 Millionen Websites und stieß auf mehr als 20.000 illegale Kosmetikprodukte. Viele davon wurden auf großen Plattformen angeboten.

Seit 2012 hat die EU bereits über 4.000 Kosmetikartikel wegen Gesundheitsrisiken vom Markt genommen. Doch das Ausmaß des Problems bleibt enorm. Bei 600.000 derzeit erhältlichen Produkten und täglich 800 Neueinführungen stellt die Überwachung eine ständige Herausforderung dar. Auch andere gefährliche Substanzen wie PFAS (häufig als "Ewigkeitschemikalien" bezeichnet) und Hydrochinon wurden in noch verkäuflichen Erzeugnissen nachgewiesen.

Um den Rückstau zu bewältigen, erwägt die EU nun einen Vorschlag, die Frist für den Verkauf längst verbotener Ware zu verlängern. Statt der bisherigen 18-Monats-Grenze könnten Händler bis zu sechs Jahre Zeit erhalten, um alte Bestände abzubauen. Dieser Schritt wirft jedoch Bedenken auf, da Verbraucher so länger schädlichen Inhaltsstoffen ausgesetzt wären.

Die Anwesenheit verbotener Chemikalien in Kosmetika offenbart Lücken bei der Durchsetzung und Marktaufsicht. Zwar haben die Behörden Tausende unsichere Produkte vom Markt genommen, doch viele gelangen weiterhin über große Händler und Online-Verkäufer zu den Verbrauchern. Die geplante Fristverlängerung für den Abverkauf alter Bestände könnte die Beseitigung gefährlicher Artikel weiter verzögern.

Quelle