Vom Bandenmitglied zum Mahner: Tim Raues brutale Jugend bei den "36 Boys"
Nina LehmannVom Bandenmitglied zum Mahner: Tim Raues brutale Jugend bei den "36 Boys"
Tim Raue gehörte einst zur berüchtigten Straßenbande „36 Boys“ in Berlin-Kreuzberg. Mit 14 bis 16 Jahren war er das einzige deutsche Mitglied in einer Gruppe, die für gewalttätige Auseinandersetzungen bekannt war. Diese Zeit hinterließ bei ihm Spuren – sowohl körperliche als auch seelische. Doch heute distanziert er sich von der Gewalt, die er einst erlebte und ausübte.
Der Eintritt bei den „36 Boys“ verlangte eine brutale Initiation: Neue Mitglieder mussten sich drei Minuten lang gegen zwei bestehende Bandenangehörige behaupten, ohne zurückzuweichen. Raue hielt die volle Zeit nicht durch, gab aber nicht auf und floh nicht – trotz der Prügel. Eine Narbe von diesem Kampf trägt er bis heute sichtbar am Körper.
Das Ziel der Bande war simpel: Anerkennung und Zugehörigkeit. Oft standen die Mitglieder rivalisierenden Gruppen gegenüber, selbst wenn sie in der Unterzahl waren. Raue gibt zu, dass er in diesen Situationen häufig die Flucht ergreifen wollte. Doch er wusste: Angst zeigen hätte gegen den Ehrenkodex der Bande verstoßen. Standhalten, egal wie aussichtslos, war der einzige Weg, sich zu beweisen.
Heute verurteilt Raue die Gewalt seiner Vergangenheit. Gleichzeitig erkennt er die Denkweise an, die ihn damals gefangen hielt – das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und der Druck, niemals Schwäche zu zeigen. Seine schmerzhaften Erfahrungen prägten sein Verständnis dafür, wie junge Menschen in solche Kreisläufe geraten.
Seine Zeit bei den „36 Boys“ liegt lange zurück, doch die Lehren daraus begleiten ihn bis heute. Die Initiationsnarbe erinnert ihn an ein Leben, das er längst hinter sich gelassen hat. Heute spricht er offen über die Gefahren der Bandenkultur und nutzt seine Geschichte, um zu zeigen, wie schnell jugendliche Verzweiflung in langfristige Konsequenzen umschlagen kann.






