Bayer zwischen Roundup-Prozessen und Kerendia-Erfolgen: Ein Jahr der Entscheidungen
Niklas SchmitzBayer zwischen Roundup-Prozessen und Kerendia-Erfolgen: Ein Jahr der Entscheidungen
Ein großer Pharma- und Agrarkonzern steht vor einem entscheidenden Jahr. Die juristischen Auseinandersetzungen um Warnhinweise für das Unkrautvernichtungsmittel Roundup erreichen im April 2026 den Obersten Gerichtshof der USA, während die Arzneimittelsparte des Unternehmens vielversprechende klinische Ergebnisse vorlegt. Investoren reagierten positiv und trieben die Aktie nach einem wichtigen Prozesserfolg um fast 5 % nach oben.
Doch die finanziellen Probleme des Konzerns halten an: 2025 verbuchte das Unternehmen einen Nettoverlust von 3,6 Milliarden Euro, und die Schulden steigen aufgrund der anhaltenden Prozesskosten.
Mit dem Medikament Kerendia (Finerenon) hat das Unternehmen einen bedeutenden Meilenstein erreicht. Eine Phase-III-Studie, FIND-CKD, erfüllte im März 2026 ihr primäres Ziel, indem sie das Fortschreiten von Nierenerkrankungen bei nicht-diabetischen Patienten verzögerte. Damit erweitert sich das potenzielle Einsatzgebiet von Kerendia über die bisherigen Zulassungen für diabetische Nierenerkrankungen und Herzinsuffizienz hinaus.
Kerendia war 2021 erstmals für chronische Nierenerkrankungen (CKD) in Verbindung mit Typ-2-Diabetes zugelassen worden. Im Juli 2025 folgte die Zulassung für Herzinsuffizienz. Die jüngsten Studienergebnisse deuten auf einen größeren Markt hin, und das Unternehmen beabsichtigt, bei der US-Arzneimittelbehörde FDA die Zulassung für diese neue Indikation zu beantragen.
Trotz dieser Fortschritte bleibt der finanzielle Druck bestehen. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Nettoverlust von 3,6 Milliarden Euro, der vor allem auf die Prozesskosten im Zusammenhang mit den Roundup-Klagen zurückzuführen ist. Die Nettoverschuldung beläuft sich mittlerweile auf fast 30 Milliarden Euro. Auf der Hauptversammlung am 1. April 2026 – demselben Tag, an dem der Oberste Gerichtshof die mündliche Verhandlung zu den Roundup-Warnhinweisen führt – werden die Aktionäre über eine vorgeschlagene Dividende von 0,11 Euro abstimmen.
Eine Entscheidung in diesem Fall wird bis Mitte Juni 2026 erwartet. Investoren verfolgen die Entwicklungen genau, da ein günstiges Urteil die finanzielle Belastung des Unternehmens verringern könnte. Unterdessen stieg die Aktie um 4,71 % auf 40,25 Euro und notiert damit deutlich über ihrem 200-Tage-Durchschnitt.
Langfristig strebt das Unternehmen an, in den nächsten zehn Jahren zehn Blockbuster-Medikamente auf den Markt zu bringen. Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs könnte eine entscheidende Rolle dabei spielen, die Bilanz zu stabilisieren und das künftige Wachstum zu sichern.
Die nächsten Schritte des Konzerns hängen von rechtlichen und regulatorischen Entwicklungen ab. Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs im Juni könnte die Prozesslast verringern, während eine FDA-Zulassung für das erweiterte Einsatzgebiet von Kerendia neue Einnahmequellen erschließen könnte. Beide Ergebnisse werden die finanzielle Erholung und die langfristige Strategie des Unternehmens prägen.