Bergisch Gladbach vor der Pleite: 50 Millionen Defizit und drohende Insolvenz bis 2027
Sebastian KönigBergisch Gladbach vor der Pleite: 50 Millionen Defizit und drohende Insolvenz bis 2027
Bergisch Gladbach steuert auf eine sich verschärfende Finanzkrise zu – bis 2026 droht ein Haushaltsdefizit von fast 50 Millionen Euro. Der städtische Kämmerer warnt, dass die Stadt bereits 2027 in die Insolvenz rutschen könnte, da steigende Kosten und der wirtschaftliche Niedergang die öffentlichen Finanzen überlasten. Gleichzeitig brechen lokale Industrien weg, während die Bürger trotz anhaltender Haushaltsprobleme mit höheren Steuern belastet werden.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Stadt haben sich in den letzten Jahren zugespitzt. 2021 verwüsteten schwere Überschwemmungen den Strundepark und offenbarten die Unzulänglichkeiten des kommunalen Klimaschutzbudgets. Bis Anfang 2025 hatten 38 Prozent der Industrieunternehmen im Kreis Entlassungen angekündigt – ein deutliches Zeichen für den breiten Abschwung.
Auch traditionsreiche Betriebe bleiben nicht verschont. Die Zanders-Papierfabrik, die fast 200 Jahre lang bestand und 380 Menschen beschäftigte, musste schließen, nachdem eine Rechnung über sieben Millionen Euro für CO₂-Zertifikate einging. Isover, ein seit 1931 ansässiger Hersteller, stellte ebenfalls die Produktion ein und strich damit 160 weitere Arbeitsplätze. Als Grund wurde die finanzielle Belastung durch das Gebäudeenergiegesetz genannt.
Die Steuern in Bergisch Gladbach liegen bereits über dem Durchschnitt vergleichbarer Städte in der Region. Dennoch sieht der Haushalt 2026 weitere Erhöhungen für die Bürger vor, während Ausgabenposten beibehalten werden, die Kritiker als überflüssig bezeichnen. Die AfD-Fraktion reagierte mit der Einreichung von zehn Sparvorschlägen an den Rat – alles ohne Steuererhöhungen. Allerdings haben laut vorliegenden Unterlagen keine Städte in Nordrhein-Westfalen offiziell über übermäßige Landesvorgaben oder finanzielle Belastungen geklagt.
Im Februar 2026 warnte Dr. Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, vor einer rasant voranschreitenden Deindustrialisierung. Seine Aussage unterstrich die Dramatik des wirtschaftlichen Niedergangs, der die Region erfasst hat.
Die Stadt steht nun vor einer doppelten Krise: einer schrumpfenden Industriebasis und einem Haushalt am Rande des Kollapses. Mit der drohenden Insolvenz ab 2027 müssen die Verantwortlichen sowohl die explodierenden Kosten als auch den Zusammenbruch langjähriger Unternehmen in den Griff bekommen. Die Bürger hingegen müssen mit höheren Abgaben rechnen, während die Stadt verzweifelt versucht, ihre Finanzen zu konsolidieren.






