Berlins Rolltreppen-Krieg: Warum Linkssteher die Stadt auf die Palme bringen
Matteo BöhmBerlins Rolltreppen-Krieg: Warum Linkssteher die Stadt auf die Palme bringen
Berlins Rolltreppen folgen einer unausgesprochenen Regel: rechts stehen, links gehen. Die Stadt lebt von Effizienz, hier zählt jede gesparte Sekunde so viel wie gespartes Geld. Doch manche brechen diese Konvention – regungslos auf der linken Seite stehend – und stören so den Rhythmus einer Stadt, die stets in Bewegung ist.
In einer Metropole, in der Zeit wie eine Währung fließt, wird die Rolltreppe zum Schlachtfeld. Wer links verweilt, vertieft in sein Handy oder Tagträume, versperrt den Weg den hektischen Pendler:innen. Das Bild eines Menschen, der mitten auf der Rolltreppe erstarrt, während er durch Nachrichten scrollt, verkörpert Berlins seltsame Mischung aus Hektik und Gleichgültigkeit.
Die Frustration ist simpel: Wer links steht, bremst alle aus. Sie ignorieren die stille Absprache, die den Fußgängerfluss aufrechterhält. Manche fordern, sie sollten stattdessen die Treppe nehmen und die „Überholspur“ der Rolltreppe für die freimachen, die sie wirklich brauchen.
Doch der Brauch hält sich hartnäckig. Ob aus Unwissenheit oder Trotz – diese reglosen Gestalten zwingen andere, um sie herumzuschlängeln. In einer Stadt, in der jede Sekunde zählt, wirkt ihre Unbeweglichkeit wie eine kleine, aber wütend machende Rebellion.
Der Streit um das Rolltreppen-Knigge wird so schnell nicht verschwinden. Linkssteher bleiben ein tägliches Hindernis in einer Stadt, die auf Tempo gebaut ist. Vorerst werden Berliner:innen weiter um sie herumsteigen – oder sie mit Blicken durchbohren, wenn sie vorbeieilen.






