Biogasanlage in Maria Veen kehrt nach Förderstopp zu fossilen Brennstoffen zurück
Matteo BöhmBiogasanlage in Maria Veen kehrt nach Förderstopp zu fossilen Brennstoffen zurück
Familiengeführte Biogasanlage in Maria Veen muss nach Jahren mit erneuerbarem Gas wieder auf fossile Brennstoffe umsteigen
Eine in Familienhand betriebene Biogasanlage im nordrhein-westfälischen Maria Veen ist gezwungen, nach Jahren der Nutzung von erneuerbarem Biogas für die Wärmeversorgung wieder auf fossile Energieträger zurückzugreifen. Der Wechsel erfolgt vor dem Hintergrund rechtlicher Unsicherheiten und gekürzter Fördermittel, die die Zukunft ähnlicher Anlagen in ganz Deutschland bedrohen. Viele Betreiber stehen nun vor schwierigen Entscheidungen, da Fördergelder auslaufen und neue Regelungen noch nicht in Kraft getreten sind.
Die Familie Bennings, die die Anlage in Maria Veen betreibt, hatte bisher jährlich rund 700 Megawattstunden Erdgas durch Biogas ersetzt. Doch 2024 musste sie eines ihrer fünf Blockheizkraftwerke (BHKW) abschalten, nachdem die 20-jährige Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auslief. Ohne finanzielle Unterstützung war der Weiterbetrieb wirtschaftlich nicht mehr tragbar.
Das Problem betrifft jedoch bei Weitem nicht nur diese eine Anlage. Bis 2031 verlieren fast 8.000 der rund 10.000 landwirtschaftlichen Biogasanlagen in Deutschland ihre EEG-Förderung. Zwar hat die Bundesregierung Ende 2024 ein neues Biogas-Paket verabschiedet, um die Rahmenbedingungen für flexible Stromerzeugung zu verbessern – doch die EU-Kommission hat die Genehmigung noch nicht erteilt. Diese Verzögerung lässt die Betreiber in einer rechtlichen Grauzone zurück, unsicher, ob sie ihre Anlagen für künftige Anforderungen umrüsten dürfen.
Trotz der Herausforderungen bleibt Biogas eine entscheidende Ressource. Eine Studie aus dem Jahr 2024 kommt zu dem Schluss, dass Biogas bis 2040 etwa die Hälfte des deutschen Strombedarfs in Phasen ohne Wind- und Solarstrom decken könnte. Allein in Nordrhein-Westfalen erzeugen derzeit rund 1.100 Anlagen flexibel und wetterunabhängig Strom und Wärme. Die Familie Bennings plant, ihren Standort für eine bedarfsgerechte Stromerzeugung auszubauen und wird sich in der nächsten Ausschreibungsrunde bewerben.
Doch der Wettbewerb ist hart. Seit 2023 sind die Biogas-Ausschreibungen überzeichnet – im Oktober 2024 wurden zwei Drittel der Bewerber abgelehnt. Experten schätzen, dass Biogas, wenn es voll ausgeschöpft würde, bis zu 50 Prozent des verbleibenden Strombedarfs Deutschlands decken könnte.
Der Rückgriff der Familie Bennings auf fossile Heizenergie verdeutlicht die größeren Schwierigkeiten, vor denen die deutsche Biogasbranche steht. Angesichts Tausender Anlagen, die ihre Förderung verlieren, und ausstehender EU-Genehmigungen für neue Gesetze könnten viele Betreiber diesem Beispiel folgen. Die weitere Entwicklung wird zeigen, ob Biogas sein Potenzial als stabiler, erneuerbarer Energieträger in den kommenden Jahrzehnten ausschöpfen kann.
