Bundesrechnungshof warnt vor Finanzchaos durch 500-Milliarden-Sondervermögen
Sebastian KönigBundesrechnungshof warnt vor Finanzchaos durch 500-Milliarden-Sondervermögen
Bundesrechnungshof warnt vor "gigantischem Finanzschiebespiel" in Deutschland
Der Bundesrechnungshof hat schwere Bedenken zu den öffentlichen Finanzen Deutschlands geäußert. Kay Scheller, der Präsident des Rechnungshofs, warnte vor einem möglichen "gigantischen Finanzschiebespiel" im Zusammenhang mit einem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen. Er forderte die Regierung auf, sich den finanziellen Realitäten zu stellen, statt sich auf veraltete Zusagen zu verlassen.
Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen wurde rückwirkend zum 1. Januar 2025 durch eine Grundgesetzänderung im März 2025 eingerichtet. Ursprünglich sollte es über zwölf Jahre hinweg Infrastrukturprojekte, die Klimaneutralität bis 2045 und Bundesinvestitionen fördern. Die Mittel sind in drei Teile aufgeteilt: 100 Milliarden Euro für Länder und Kommunen, 100 Milliarden für den Klima- und Transformationfonds sowie 300 Milliarden für Bundesprojekte. Allein für 2025 sind fast 37 Milliarden Euro vorgesehen.
Scheller betonte, dass das Sondervermögen zusätzliche Investitionen finanzieren solle – nicht bestehende Haushalte ersetzen. Doch steigende Zinsen für Kredite hätten die Schuldenbedienung deutlich verteuert. Sein Haus habe wiederholt vor einer Zweckentfremdung der Gelder gewarnt und den Klimafonds als problematisches Beispiel genannt.
Bis 2029 könnten die Bundesschulden auf 2,7 Billionen Euro anwachsen – ohne die weiteren 800 Milliarden Euro, die Länder und Kommunen schulden. Scheller wies darauf hin, dass diese Prognosen keine neuen Krisen einpreisen. Zudem stellte er infrage, ob solche Finanzmanöver verfassungswidrig sein könnten, und deutete an, dass letztlich das Bundesverfassungsgericht entscheiden müsste.
Der Rechnungshofspräsident warnte vor einem "neuen, massiven Finanzschiebespiel", falls das Sondervermögen umgewidmet werde. Er bestand darauf, dass die Politik akzeptieren müsse, dass frühere Finanzzusagen nicht mehr tragbar seien.
Die Warnungen kommen zu einer Zeit, in der Deutschland mit wachsender Staatsverschuldung und höheren Kreditkosten konfrontiert ist. Das 500-Milliarden-Sondervermögen bleibt zentral für die künftigen Ausgabenpläne – doch seine Verwendung steht zunehmend in der Kritik. Schellers Äußerungen deuten auf mögliche rechtliche und finanzielle Herausforderungen für die Regierung hin.