13 April 2026, 16:03

Der vergessene Streik von 1973: Wie Migrant:innen bei Ford gegen Ausbeutung kämpften

Eine Gruppe von Polizisten in schwarzen Uniformen und blauen Helmen steht vor einem Gebäude mit Graffiti, während sie Papiere und Gegenstände auf dem Boden verstreuen.

Der vergessene Streik von 1973: Wie Migrant:innen bei Ford gegen Ausbeutung kämpften

Ein gewaltsamer Konflikt im Kölner Ford-Werk am 30. August 1973 markierte einen Wendepunkt für migrantische Arbeiter:innen in Deutschland. Polizei und Werksschutz, unterstützt von einigen deutschen Beschäftigten, schlugen einen Streik für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen brutal nieder. Das Ereignis gilt heute als Schlüsselmoment im Kampf gegen Ausbeutung und Rassismus am Arbeitsplatz.

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Nun wirft ein neues Buch einen Blick zurück auf den Streik und seine bis heute nachwirkende Bedeutung für die Arbeiterbewegung.

Der Arbeitskampf im Ford-Werk begann, als migrantische Beschäftigte eine zusätzliche D-Mark pro Stunde sowie ein Ende der Schikane durch Vorarbeiter forderten. Die Bedingungen waren hart, viele erlebten Diskriminierung am Fließband. Als die Proteste eskalierten, griffen Polizei und Werksschutz mit Gewalt ein. Einige deutsche Kollegen beteiligten sich an der Niederschlagung – gedeckt von den Beamten.

Die Auseinandersetzungen beschränkten sich nicht auf Ford. Noch im selben Jahr führten migrantische Arbeiter:innen bei Pierburg in Neuss und Hella in Lippstadt Streiks gegen schlechte Behandlung und Hungерlöhnе. Diese Kämpfe zeigten den wachsenden Widerstand ausländischer Beschäftigter in der deutschen Industrie.

Das kürzlich erschienene Buch "Der Streik hat mir als jungem Menschen Kraft gegeben: Migrantische Kämpfe gegen Ausbeutung und Rassismus" (Hrsg. Nihat Öztürk, Nuria Cafaro, Bernd Hüttner und Florian Weis) untersucht diese Ereignisse detailliert. Es beleuchtet unterschiedliche Perspektiven auf die Rolle von Gewerkschaften wie der IG Metall und den Betriebsräten während der Konflikte. Zudem spannt das Buch den Bogen von den Streiks von 1973 zu heutigen Arbeitskämpfen – etwa denen von Fahrradkurieren, die für faire Bedingungen kämpfen.

Mit der Zeit wurde der Ford-Streik als Katalysator für die Selbstermächtigung von Migrant:innen neu bewertet. Antirassistische Aktivist:innen und Historiker:innen sehen darin heute einen prägenden Moment im größeren Kampf um Gleichberechtigung am Arbeitsplatz.

Der Streik von 1973 bleibt ein mächtiges Symbol migrantischen Widerstands in Deutschland. Das neue Buch dokumentiert sein Erbe und zieht Parallelen zu aktuellen Arbeitskämpfen. Für viele markierte das Ereignis den Beginn eines längeren Kampfes – gegen wirtschaftliche Ausbeutung und strukturellen Rassismus in der Arbeitswelt.

Quelle