Düsseldorfs fiftyfifty kämpft ums Überleben – wie ein Straßenmagazin Obdachlose rettet
Niklas SchmitzDüsseldorfs fiftyfifty kämpft ums Überleben – wie ein Straßenmagazin Obdachlose rettet
Düsseldorfs Straßenmagazin fiftyfifty kämpft mit dramatischem Auflagenrückgang
Das von obdachlosen Verkäufer:innen angebotene Düsseldorfer Magazin fiftyfifty verzeichnet einen drastischen Rückgang der Verkaufszahlen. Die monatliche Auflage ist von einst 40.000 Exemplaren auf weniger als 12.000 gesunken. Dieser Einbruch spiegelt eine bundesweite Krise wider, von der mindestens zwölf weitere Straßenzeitungen betroffen sind – sie alle haben seit 2020 die Hälfte ihrer Leserschaft verloren.
Hinzu kommen steigende Produktionskosten und eine wachsende Ablehnung der Verkäufer:innen in der Öffentlichkeit. Für viele Obdachlose ist der Verkauf von fiftyfifty nicht nur eine Einnahmequelle, sondern auch eine Möglichkeit, Sinn zu finden und Schutz zu erfahren.
Das Magazin, das einst als Rettungsanker für Obdachlose gegründet wurde, finanziert sich über Verkäufe und Spenden. Damit werden soziale Projekte unterstützt – von der Straßensozialarbeit über die tiermedizinische Versorgung streunender Hunde durch die Initiative Underdog bis hin zu Wohnungsvermittlungsprogrammen wie Housing First. Ohne stabile Einnahmen droht nun das Aus für diese Angebote.
Ziftyfifty dient zudem als Sprachrohr, das auf Ungerechtigkeiten aufmerksam macht und die Diskriminierung obdachloser Menschen anprangert. Durch seine Sichtbarkeit fördert es den gesellschaftlichen Dialog über Obdachlosigkeit und schafft Verbindungen zwischen Verkäufer:innen, Leser:innen und der breiteren Öffentlichkeit.
Die gestiegenen Kosten haben den Preis pro Ausgabe auf 3,40 Euro steigen lassen. Doch die größere Gefahr geht von rückläufigem Fußgängeraufkommen in den Innenstädten und der Konkurrenz durch digitale Medien aus. Verkäufer:innen – besonders solche mit Migrationshintergrund – berichten zudem von zunehmendem Rassismus und aggressiven Übergriffen, was den Verkauf zusätzlich erschwert.
Das Magazin erscheint sowohl in Print als auch digital. Die Online-Version (fiftyfifty-ObdachLOS) funktioniert wie eine Rubbellos-Aktion. Doch selbst diese Innovation konnte den allgemeinen Niedergang der Printmedien nicht ausgleichen. Seit 2020 verzeichnen ähnliche Straßenzeitungen bundesweit einen Rückgang der Verkäufe um 50 Prozent oder mehr – mit denselben Problemen.
Die Zukunft von fiftyfifty steht auf dem Spiel, während die Auflage schrumpft und die Kosten steigen. Sein Überleben ist entscheidend – für die sozialen Projekte, die es trägt, und für die Verkäufer:innen, die auf es angewiesen sind. Ohne Gegenmaßnahmen könnte das Verschwinden des Magazins die Isolation obdachloser Menschen in Düsseldorf und darüber hinaus weiter vertiefen.