Illegale Müllmafia in NRW: 40 Verdächtige und 46.000 Tonnen Giftmüll entdeckt
Nina LehmannIllegale Müllmafia in NRW: 40 Verdächtige und 46.000 Tonnen Giftmüll entdeckt
Großangelegte illegale Müllentsorgung in Nordrhein-Westfalen aufgedeckt
Eine strafrechtliche Ermittlung in Nordrhein-Westfalen hat ein weitverzweigtes Netzwerk illegaler Abfallwirtschaft ans Licht gebracht. Die Behörden werfen einem Abfallmakler aus Unna vor, seit mindestens Januar 2024 einen organisierten Betrug mit gefährlichen Stoffen betrieben zu haben. Die seit über einem Jahr laufenden Ermittlungen deuten darauf hin, dass das Netzwerk Kunden und Aufsichtsbehörden systematisch getäuscht hat.
Bei einer Durchsuchung des Fahrzeugs des Beschuldigten beschlagnahmten die Ermittler 120.000 Euro in bar, 200 Gramm Gold sowie weitere Wertgegenstände. Mittlerweile sind mehr als 40 Personen und mehrere Unternehmen aus der Abfall- und Baubranche in den Fall verwickelt.
Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Umweltkriminalität wirft dem Angeklagten vor, illegale Mülldeponien betrieben, mit gefährlichen Stoffen unsachgemäß umgegangen und Betrug in großem Stil organisiert zu haben. Den Ermittlungen zufolge nahm die Gruppe gefährliche Abfälle an, mischte sie und etikettierte sie um, um ihre wahre Beschaffenheit vor Kunden und Behörden zu verschleiern.
Die Aktivitäten des Netzwerks erstrecken sich auf mehrere Standorte, darunter den Tagebau Garzweiler. So wurden beispielsweise 23.000 Tonnen belasteter Erde auf einem Gewerbegebiet in Selfkant nahe der niederländischen Grenze abgeladen. Weitere 23.000 Tonnen fanden die Ermittler in Kiesgruben in Kamp-Lintfort.
Der Beschuldigte hat eine Vorstrafe wegen Bestechung und Steuerhinterziehung. Zudem war er bereits in einen Fall verwickelt, der die Raffinerie von BP in Gelsenkirchen betraf. Unterdessen leitet die Stadt Gelsenkirchen rechtliche Schritte gegen Hersteller und Lieferanten ein – gestützt auf das Kreislaufwirtschaftsgesetz –, um die Einhaltung der Abfallentsorgungspflichten durchzusetzen.
Neben dem angeklagten Makler erstrecken sich die Ermittlungen nun auch auf Entsorgungsfirmen, Transportunternehmen und Baufirmen. Weitere Verdächtige wurden in Bottrop und Datteln identifiziert; die Behörden gehen davon aus, dass das Netzwerk noch größer sein könnte.
Der Fall offenbart das Ausmaß illegaler Abfallgeschäfte in der Region, wobei zahlreiche Standorte und Unternehmen unter Beobachtung stehen. Anklagen wurden bereits erhoben, weitere Festnahmen oder Verfahren könnten folgen. Die rechtlichen Initiativen Gelsenkirchens deuten auf eine verschärfte Kontrolle der Abfallvorschriften in Zukunft hin.