Jessica Krebbing übernimmt den elterlichen Milchviehbetrieb – ein Zeichen des Wandels
Matteo BöhmJessica Krebbing übernimmt den elterlichen Milchviehbetrieb – ein Zeichen des Wandels
Jessica Krebbing wird die erste Frau sein, die den elterlichen Milchviehbetrieb in Hamminkeln, Nordrhein-Westfalen, leitet. Gemeinsam mit ihrem Mann übernimmt sie den Hof und bewirtschaftet dort 200 Milchkühe sowie Kälber und Jungrinder. Ihr Aufstieg steht für einen Wandel in einem Sektor, in dem Frauen trotz eines Anteils von über einem Drittel an der landwirtschaftlichen Belegschaft noch immer mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert sind.
Deutschlandweit führen derzeit rund 1.200 Frauen Betriebe mit mehr als 50 Hektar Fläche. Im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen berichten sie jedoch von größeren Schwierigkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren, Kredite zu erhalten und mit den Folgen des Klimawandels auf ihre Flächen umzugehen.
Zu Krebbings täglichen Aufgaben gehören das Füttern und Melken der Kühe, die Besamung des Viehs, das Einstreuen der Ställe und die Vorbereitung der Tiere für die Weide. Der Betrieb setzt auf automatische Melkroboter, die die körperliche Belastung verringern und Zeit sparen – eine Entwicklung, die mehr Geschlechtergerechtigkeit bei der Arbeit auf dem Hof fördert.
Ihre Mutter, Christa Krebbing, wurde früher als gleichberechtigte Partnerin auf dem Betrieb oft übergangen. Vertriebsmitarbeiter ignorierten ihre Rolle – ein Beispiel für die weitverbreiteten Vorurteile in der Branche. Gleichzeitig gestalten Frauen wie Anne Unterhansberg und Lea Im Brahm den Direktvermarktungsbetrieb ihrer Familie auf dem Buchholzhof in Mülheim um, treiben Innovationen im Marketing und in der Betriebsführung voran.
Das Land Nordrhein-Westfalen bietet inzwischen Vernetzungs- und Beratungsprogramme an, um Bäuerinnen den Einstieg in Führungspositionen zu erleichtern. Diese Initiativen zielen darauf ab, langjährige Barrieren abzubauen – von ungleicher Bezahlung, die mittlerweile angepasst wurde, um die Altersvorsorge zu verbessern, bis hin zu eingeschränktem Zugang zu Fördermitteln. Dennoch wird derzeit nur jeder neunte Betrieb in der Region von einer Frau geleitet.
Daten des Statistischen Bundesamtes und des Deutschen Bauernverbandes (DBV) belegen anhaltende Ungleichheiten. weibliche Betriebsleiterinnen stehen nach wie vor unter größerem Druck, Beruf und Privatleben zu vereinbaren, haben strengere Kreditbedingungen und sind anfälliger für klimabedingte Störungen als ihre männlichen Kollegen.
Dass Jessica Krebbing den elterlichen Hof übernimmt, ist ein Zeichen für einen allmählichen, aber bedeutenden Wandel in der deutschen Landwirtschaft. Mit staatlicher Unterstützung und technischen Fortschritten wie Melkrobotern gewinnen Frauen in der Branche zunehmend an Sichtbarkeit und Einfluss. Doch strukturelle Hürden – von Finanzierungslücken bis hin zu Klimabelastungen – bleiben zentrale Herausforderungen für von Frauen geführte Betriebe im ganzen Land.