Jugend in Deutschland wendet sich zunehmend von der Demokratie ab – warum?
Nina LehmannJugend in Deutschland wendet sich zunehmend von der Demokratie ab – warum?
Ein neuer Bericht offenbart eine wachsende Unzufriedenheit mit der Demokratie unter jungen Menschen in Deutschland. Der Jugenddemokratie-Report 2025, herausgegeben vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, zeigt einen deutlichen Rückgang der Unterstützung für demokratische Werte. Gleichzeitig nehmen die Sorgen über extremistische Einflüsse im Internet und ein schwindendes Vertrauen in zentrale Institutionen zu.
Die Studie verdeutlicht einen besorgniserregenden Trend: Nur noch 47 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind mit der Funktionsweise der Demokratie in der Praxis zufrieden. Das ist ein drastischer Rückgang gegenüber 77 Prozent im Jahr 2021. Besonders ausgeprägt ist dieser Rückgang in der Altersgruppe der 19- bis 29-Jährigen, bei denen die Zustimmung zur Demokratie schneller sinkt als in älteren Generationen.
Auch das Vertrauen in politische und gesellschaftliche Institutionen hat nachgelassen – vor allem bei den jüngeren Jahrgängen. Gleichzeitig verbreiten sich undemokratische Haltungen. Fast die Hälfte (47 Prozent) ist der Meinung, die Gesellschaft würde unter der Führung einer starken Einzelpartei besser funktionieren, während 15 Prozent eine Diktatur in bestimmten Situationen für gerechtfertigt halten.
Der Bericht unterteilt die jungen Menschen in drei Gruppen: 44 Prozent gelten als überzeugte "Demokraten", 42 Prozent als "fragile Demokraten" mit unsicheren Ansichten und 8 Prozent als "Demokratiegegner". Bundesbildungsministerin Karin Prien warnt, dass extremistische Ideologien, Frauenfeindlichkeit und gewaltverherrlichende Rhetorik Jugendliche zunehmend über soziale Medien, Chatgruppen und Gaming-Plattformen erreichen.
Viele junge Menschen haben das Gefühl, dass Schulen diese Herausforderungen nicht ausreichend angehen. Auffällig ist, dass 76 Prozent sich mehr politische Bildung im Unterricht wünschen – ein Zeichen dafür, dass die klassische demokratische Bildung kaum gegen die Online-Radikalisierung ankommt. Allein in Nordrhein-Westfalen ist die Unzufriedenheit mit der Demokratie unter 14- bis 18-Jährigen von 28 Prozent im Jahr 2021 auf 35 Prozent im Jahr 2025 gestiegen.
Die Ergebnisse verdeutlichen einen Wandel in den Einstellungen: Jüngere Generationen zeigen weniger Vertrauen in die Demokratie als noch vor wenigen Jahren. Der Bericht fordert daher entschlossenere Maßnahmen gegen Online-Extremismus und eine Stärkung der politischen Bildung. Ohne Gegensteuerung könnte sich dieser Trend weiter verstärken und das Vertrauen künftiger Wählerinnen und Wähler in demokratische Systeme weiter untergraben.






