13 March 2026, 14:02

Paderborn: 489 Missbrauchsfälle erschüttern das Erzbistum – Kirche räumt Versagen ein

Ein Buch mit Bildern und Texten, die die Geschichte der katholischen Kirche dokumentieren, einschließlich Bildern von ihren Räumen, Fluren und erhaltenen Artefakten.

Bischof von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - Paderborn: 489 Missbrauchsfälle erschüttern das Erzbistum – Kirche räumt Versagen ein

Eine neue Studie hat 489 Fälle von sexuellem Missbrauch im Erzbistum Paderborn zwischen 1941 und 2002 aufgedeckt. Die am Donnerstag veröffentlichten Ergebnisse belasten 210 beschuldigte Personen und haben Bischof Udo Markus Bentz zu einer erneuten Entschuldigung veranlasst. Er bezeichnete die Befunde als Beleg für ein institutionelles Versagen der Kirche.

Der Missbrauchsskandal in der deutschen katholischen Kirche war erstmals 2010 ans Licht gekommen. Seither untersuchen Bistümer bundesweit frühere Vergehen und entschädigen Überlebende. Allein in Paderborn wurden bisher 93 Millionen Euro an Opfer gezahlt.

Bei der Vorstellung der Studie gab es eine nicht direkt damit zusammenhängende Bemerkung über Kardinal Johannes Joachim Degenhardt. Thomas Wendland, der Missbrauchsbeauftragte des Bistums, bestätigte dies, ging jedoch nicht näher darauf ein. Das Erzbistum hat inzwischen versprochen, die Ermittlungen zu Degenhardts Rolle zu vertiefen.

Die Reaktion auf Missbrauchsvorwürfe gegen zwei Kardinäle fällt deutlich unterschiedlich aus: Gegen Kardinal Lorenz Jaeger richtete das Erzbistum 2023 eine Anlaufstelle für Opfer ein, beauftragte 2024 eine unabhängige historische Aufarbeitung und plant für 2025 eine Gedenkveranstaltung. Im Fall Degenhardts blieb es dagegen bei begrenzten Maßnahmen. Ein Fachgutachten von 2021 bestätigte zwar seine Verstrickung in Vertuschungen, doch öffentliche Konsequenzen oder Unterstützungsangebote für Betroffene blieben aus.

Reinhold Harnisch, Sprecher des Opferverbandes, begrüßte Bentz' Entschuldigung als Schritt zur Wiederherstellung der Würde der Betroffenen. Zudem unterstützte er Forderungen, Straßenumbenennungen für Jaeger und Degenhardt zu prüfen – mit Verweis auf deren mutmaßliche Rolle bei der Vertuschung von Missbrauch.

Das Erzbistum will die unabhängige Aufklärung der Vergangenheit fortsetzen. Nach bereits gezahlten 93 Millionen Euro an Entschädigungen werden weitere Schritte erwartet, sobald neue Erkenntnisse vorliegen. Im Mittelpunkt bleibt die Aufarbeitung institutioneller Versäumnisse und die Unterstützung der Geschädigten.

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