12 March 2026, 04:03

Studie enthüllt jahrzehntelanges Vertuschen von Missbrauch im Erzbistum Paderborn

St. Nikolaus-Katholische Kirche in Roseland, Chicago, Illinois, dargestellt auf einer alten Postkarte mit umliegenden Gebäuden, Bäumen und einem bewölkten Himmel, mit Text oben.

Studie klärt sexuellen Missbrauch in Erzbistum Paderborn - Studie enthüllt jahrzehntelanges Vertuschen von Missbrauch im Erzbistum Paderborn

Eine neue unabhängige Studie hat schwerwiegende Versäumnisse bei der Bearbeitung von Missbrauchsfällen durch das Erzbistum Paderborn über acht Jahrzehnte hinweg aufgedeckt. Die Forscher stellten fest, dass Kardinäle wiederholt Täter schützten, während sie die Opfer ignorierten. Die Ergebnisse verstärken die anhaltende Kritik an der Reaktion der katholischen Kirche auf Missbrauchsfälle in Deutschland.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stand das Erzbistum Paderborn, eines der sieben großen Erzbistümer in Deutschland. Analysiert wurde der Zeitraum von 1941 bis 2022, der die Amtszeiten der Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt umfasst. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass beide Kardinäle Missbrauchstäter deckten und den Geschädigten kaum Beachtung schenkten.

Das Erzbistum erstreckt sich über ein großes Gebiet in Nordrhein-Westfalen – von Minden im Norden bis Siegen im Süden – und umfasst zudem Teile Hessens und Niedersachsens. Mit 1,3 Millionen Katholiken übt es erheblichen Einfluss innerhalb der deutschen Kirche aus.

Die Veröffentlichung des Berichts wurde aufgrund von Verzögerungen durch die COVID-19-Pandemie auf das Jahr 2026 verschoben. Zudem benötigten die Forscher zusätzliche Zeit, nachdem sie auf mehr Quellenmaterial als erwartet gestoßen waren.

In einer zweiten Phase der Studie wird der Fokus auf Erzbischof em. Hans-Josef Becker liegen, der das Bistum von 2002 bis 2022 leitete. Unterdessen haben auch andere deutsche Diözesen und Ordensgemeinschaften eigene Überprüfungen eingeleitet. Die Salesianer Don Boscos und die Franziskaner-Provinz dokumentieren Missbrauchsfälle aus den Jahren 1945 bis 2023. Das Bistum Würzburg hat ebenfalls ein Team eingesetzt, um die frühere Bearbeitung von Missbrauchsvorwürfen zu untersuchen, und räumte ein, dass kanonische Verfahren nicht eingehalten wurden.

Der Bericht unterstreicht systemische Versagen bei der Behandlung von Missbrauchsvorwürfen durch das Erzbistum Paderborn. Die Ergebnisse reiht sich in die bundesweiten Bemühungen ein, vergangenes Unrecht aufzuarbeiten und den Opferschutz zu verbessern. Durch die verzögerte Veröffentlichung werden weitere Details jedoch erst 2026 bekannt werden.

Quelle