Weidemilch ist nicht gleich Weidemilch: Welche Siegel wirklich halten, was sie versprechen
Matteo BöhmWeidemilch ist nicht gleich Weidemilch: Welche Siegel wirklich halten, was sie versprechen
Nicht alle Weidemilch-Produkte halten dieselben Standards – und der Begriff selbst ist rechtlich nicht geschützt. Zwar suggeriert die Bezeichnung, dass Kühe regelmäßig auf der Weide grasen, doch die tatsächlichen Haltungsbedingungen können stark variieren. Verbraucher:innen tun sich oft schwer damit, die unterschiedlichen Siegel und ihre Bedeutung für den Tierschutz zu durchschauen.
Gesetzlich vorgeschrieben sind für Weidemilch mindestens 120 Weidetage pro Jahr. Außerhalb dieser Zeiträume dürfen die Tiere jedoch weiterhin angebunden werden. Das Label 3, das auf manchen Milchverpackungen zu finden ist, bestätigt lediglich diese Mindestanforderung – ein vollständiges Verbot der Anbindung ist damit nicht verbunden.
Wer strengere Kriterien sucht, sollte auf zwei Bio-Siegel achten: Demeter und Bioland. Demeter folgt den Prinzipien der biologisch-dynamischen Landwirtschaft und garantiert längere Weidezeiten sowie eine artgerechte Haltung. Bioland setzt noch strengere Maßstäbe bei der Beweidung und Fütterung an. Beide Siegel sind auf Verpackungen leicht erkennbar – Demeter am Stern-Symbol, Bioland am Blatt-Logo.
Noch weiter gehen Label wie Pro Weideland, Für mehr Tierschutz (Premium-Stufe) sowie bestimmte Bio-Zertifizierungen: Sie verbieten die Anbindung gänzlich. Auch die Haltungsform-Stufen 3, 4 und 5 auf Weidemilch-Produkten schließen diese Praxis aus. Die Verbraucherzentrale NRW bietet eine detaillierte Übersicht zu den Unterschieden unter www.verbraucherzentrale.nrw/node/35574.
Weidemilch kann die Lebensbedingungen von Milchkühen verbessern – doch nicht jedes Siegel steht für dieselben Standards. Wer höhere Ansprüche an die Tierhaltung stellt, sollte gezielt nach Zertifizierungen wie Demeter oder Bioland Ausschau halten. Die Verbraucherzentrale NRW hilft dabei, transparente Entscheidungen zu treffen.






