Wenn nackte Schauspieler auf der Bühne zur Angstprobe werden
Ein jüngster Theaterbesuch konfrontierte mich mit einer ungewöhnlichen Angst – nackten Schauspielern. Der Abend begann mit einem beeindruckenden Stück über die Apokalypse, menschliche Widerstandskraft und zwischenmenschliche Verbundenheit. Doch am Ende des Abends waren meine Nerven blank – und zwar wegen einer ganz anderen Vorstellung.
Der Abend startete mit einer visuell beeindruckenden Inszenierung, wenn auch nicht von René Pollesch. Das Publikum reagierte mit tosendem Applaus, bis auf einen einzelnen Zuschauer, der ein scharfes Buh ausstieß. Der Hauptdarsteller, der gelegentlich aus seiner Rolle fällt, verlieh der Aufführung eine unberechenbare Spannung.
Nach der Vorstellung schlug mir meine Freundin eine Art Desensibilisierungstherapie vor, um meiner wachsenden Furcht zu begegnen. Wir erstellten sogar eine Liste mit Herausforderungen, beginnend mit „Besuche jede Vorstellung des nackten Schauspielers“ und steigerten uns bis „Buche eine Kreuzfahrt mit Pflichtbesuch bei Heino trifft Rammstein.“ Der letzte Punkt bereitete mir Übelkeit.
Zur Erholung schauten wir „Frühling für Hitler“ und lachten, bis uns die Tränen kamen. Die Absurdität half – doch meine Angst vor der nächsten großen Berliner Produktion, in der ein berüchtigt bekleidungsfreier Hauptdarsteller auftritt, blieb.
Der Abend vereinte künstlerische Brillanz mit persönlichem Unbehagen. Zwar erhielt das Stück selbst viel Lob, doch meine Vorbehalte gegenüber künftigen Aufführungen bestehen fort. Fürs Erste fühlt es sich immer noch wie eine zu große Herausforderung an, einem nackten Schauspieler auf der Bühne gegenüberzutreten.






