26 March 2026, 12:05

ARD testet 30-minütige Tagesschau – kann das neue Format Zuschauer zurückgewinnen?

Schwarze-weiße Titelseite einer deutschen Zeitung vom 13. November 1939 mit der Schlagzeile 'Weitpreubliche Zeitung' und einem Foto von Menschen in traditioneller deutscher Tracht.

ARD testet 30-minütige Tagesschau – kann das neue Format Zuschauer zurückgewinnen?

Die ARD testet derzeit eine 30-minütige Version ihrer Flaggschiff-Nachrichtensendung Tagesschau, um den Rückgang der Zuschauerzahlen umzukehren. Die verlängerte Ausgabe, die am Montagabend um 20:15 Uhr erstmals ausgestrahlt wurde, soll harte Nachrichten mit alltagsnahen Perspektiven verbinden. Kritiker und Branchenexperten diskutieren bereits, ob die Änderung erfolgreich sein wird – oder ob sie das seit langem bewährte Format des Senders gefährdet.

In den vergangenen fünf Jahren hat die traditionelle 15-minütige Tagesschau fast ein Drittel ihrer Zuschauer verloren. Lag die durchschnittliche Zuschauerzahl 2021 noch bei 7,5 Millionen (Marktanteil: 15,2 %), sank sie bis 2025 auf 5,2 Millionen (11,8 %). Die meisten Zuschauer sind heute über 50 Jahre alt, während jüngere Zielgruppen zunehmend zu Streaming-Diensten oder der kürzeren 10-minütigen Online-Version der Sendung wechseln, die täglich über eine Million Aufrufe verzeichnet. Die längere Tagesschau um 20 Uhr – 2024 eingeführt – erreichte hingegen bis zu 6,5 Millionen Zuschauer, was darauf hindeutet, dass ein ausführlicheres Format breitere Zustimmung finden könnte.

Jörg Schönenborn, Programmdirektor für Information, Fiktion und Unterhaltung beim WDR, bezeichnet den Versuch als mehr als nur ein Experiment. Die verlängerte Tagesschau solle globale Ereignisse mit persönlichen Erfahrungen verknüpfen und Nachrichten so relevanter für den Alltag machen. Ziel der ARD sei es, das Vertrauen in die Medien zu stärken und neue Zuschauer zu gewinnen. Allerdings wurde der Entscheidungsprozess hinter der Reform als übermäßig komplex kritisiert, sodass unklar bleibt, ob das 30-minütige Format dauerhaft eingeführt wird.

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Die Reaktionen von Medienbeobachtern fallen gemischt aus. Michael Hanfeld, Medienredakteur der FAZ, argumentiert, 15 Minuten reichen für Nachrichten aus, und warnt davor, das ARD-Abendprogramm zu stören. Anna Mayr von der Zeit entgegnet, das eigentliche Problem liege nicht in der Länge, sondern in der Qualität. Aurelie von Blazekovic schreibt in der Süddeutschen Zeitung, der Schritt sei ein fehlgeleiteter Versuch, mit überlangen Nachrichtenformaten Zuschauer zu ködern.

Die Testphase der 30-minütigen Tagesschau markiert einen bedeutenden Wandel für Deutschlands meistgesehene Nachrichtensendung. Ob es gelingt, den Schwund bei jüngeren Zuschauern zu stoppen – oder ob stattdessen die Stammzuschauer verprellt werden –, hängt davon ab, wie gut das neue Format Tiefe mit Zugänglichkeit vereint. Bisher hat die ARD nicht bestätigt, ob die verlängerte Version dauerhaft bleiben wird.

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