21 April 2026, 14:02

Caren Jess' düsteres Bookpink feiert rabiate Premiere in Berlin

Ein buntes, cartoonartiges Kinderbuch mit illustrierten Menschen und Tieren in fetter, fröhlicher Schrift.

Caren Jess' düsteres Bookpink feiert rabiate Premiere in Berlin

Caren Jess' neues Stück Bookpink – Neuankömmlinge feiert Premiere am Deutschen Theater Berlin

Unter der Regie von Jorinde Dröse verbindet die Inszenierung drei düster-lebendige Szenen, die jeweils Unterdrückung und den Kampf um Selbstbestimmung thematisieren – ohne dass eine der Figuren ihrem Leid entkommt.

Die erste Szene führt in die Familie Adler ein, deren nationalistische Ideale sich über Generationen vererben und zuschärfen. Ihr starres Weltbild schafft eine Atmosphäre der Gefangenschaft, in der selbst die Mächtigen den Fesseln ihrer eigenen Dogmen nicht entrinnen.

Der zweite Akt rückt eine Kolibri-Influencerin in den Fokus, die sich gesellschaftlichen Erwartungen verweigert, indem sie sich gegen Fortpflanzung entscheidet. Ihr Widerstand endet tragisch: Ein gescheiterter Sterilisationseingriff hinterlässt sie mit Hirnschäden und raubt ihr die letzte Kontrolle über ihr Leben.

Im finalen Bild befreit ein Zilpzalp einen gefangenen Kanarienvogel – doch nicht aus Güte. Die vermeintliche Befreiung entpuppt sich als neue Form der Manipulation und unterstreicht die düstere Grundhaltung des Stücks. Durchgehend bleiben die pelz-, feder- und krallenbewehrten Tiere gefangen, ihre Instinkte von unsichtbaren Mächten verzerrt.

Kathrin Froschs Kostüme und Bühnenbild verleihen der Produktion einen mutigen Pop-Art-Look. Die grellen Farben stehen in scharfem Kontrast zur untergründigen Verzweiflung des Stücks, in dem strukturelle Gewalt jeden wahren Ausweg verstellt.

Jess ist es nicht neu, Surrealismus mit Gesellschaftskritik zu verbinden. Ihr Stück Die Katze Eleonore (2023), uraufgeführt in Dresden, wurde mit Preisen sowohl der Dramatikerjury als auch des Publikums ausgezeichnet. Darin flieht eine Frau durch die Verwandlung in eine Katze vor den Lasten des Menschseins – ein verzweifelter Versuch der Flucht.

Bookpink – Neuankömmlinge endet in Trauer, seinen Figuren jede echte Befreiung verwehrend. Die schonungslose Darstellung von Anpassungsdruck bleibt haften, ohne einfache Lösungen anzubieten. Stattdessen hinterlässt das Stück beim Publikum das Gewicht von Systemen, die selbst die wildesten Instinkte zermalmen.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones
Quelle