"Opferpopp 2.0" in Halle: Ein Requiem für vergessene junge Stimmen

Niklas Schmitz
Niklas Schmitz
2 Min.
Ein Kinosaal mit Menschen, die herumlaufen, eine Treppe mit Geländer, die zum Eingang führt, ein Textschild auf der linken Seite, Fotorahmen an den Wänden und eine beleuchtete Decke.Niklas Schmitz

"Opferpopp 2.0" in Halle: Ein Requiem für vergessene junge Stimmen

Ein mutiges neues Theaterprojekt kommt im März 2026 nach Halle

Opferpopp 2.0 – Ein Requiem feiert im Rahmen der Reihe ERINNERN IST HEIMAT Premiere und verwandelt einen städtischen Raum in ein immersives Erlebnis. Die Produktion blickt zurück auf das Leben junger Laiendarsteller:innen aus einem umstrittenen Stück von 2007 und hinterfragt, wie die Gesellschaft sie erinnert – oder vergisst.

Das ursprüngliche Opferpopp, 1999 von Frank Castorf an der Berliner Volksbühne inszeniert, zeigte junge Schauspieler:innen, die ungeschönt von Gewalt, Vernachlässigung und Ausgrenzung erzählten. Fast drei Jahrzehnte später ist kaum bekannt, was aus ihnen wurde. Trotz aktueller Debatten über die Ausbeutung junger Menschen in der Kunst und der #MeToo-Bewegung blieben die meisten anonym – ohne Medien-Comebacks oder Skandale, die mit ihren Namen verbunden wären.

Opferpopp 2.0 setzt als "Denkmal für die Ausgelöschten" dem 2022 verstorbenen Alexander Kluth ein Zeichen, der bei der Neuauflage 2007 mitwirkte. Das nt-Schaufenster des Thalia Theaters Halle wird zum Klubhaus Kluth, einer begehbaren Installation zwischen Ausstellung, Club und Performance. Das Publikum kann sich frei bewegen und selbst entscheiden, wie intensiv es sich mit den Geschichten und Angeboten auseinandersetzt.

Jeder Abend steht unter einem anderen Motto und hinterfragt Klischees über sogenannte "Problemkinder" und die Kreisläufe der Ausgrenzung, in denen sie gefangen sind. Das Projekt richtet sich explizit an Jugendliche ab 14 Jahren und will einen dauerhaften Begegnungsort für Halles junge Generation schaffen. Vom 5. bis 22. März 2026 stellt es die Stadt selbst auf den Prüfstand – ihre Versprechen, ihre ungelösten Fragen und ihre unheilbaren Wunden.

Drei Wochen lang besetzt die Installation das nt-Schaufenster als Raum für Reflexion und Verbindung. Indem Opferpopp 2.0 vergessene Stimmen in den Mittelpunkt rückt, verknüpft es Halles Vergangenheit mit der Gegenwart und lädt Teilnehmende wie Beobachter:innen ein, sich mit den Bedingungen von Gehörtwerden – oder zum Schweigen Verdammtsein – auseinanderzusetzen. Die Wirkung des Projekts könnte über die Aufführungen hinausreichen und prägen, wie die Stadt künftig mit ihren jüngeren Generationen umgeht.

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